„Ich hab doch mein Google-Profil – brauche ich überhaupt noch eine Webseite?" Diese Frage hören wir fast jede Woche. Und sie ist berechtigt: Ein gepflegtes Google Unternehmensprofil (früher „Google My Business") ist kostenlos, taucht ganz oben in der lokalen Suche auf und zeigt Öffnungszeiten, Telefonnummer, Bewertungen und den Weg zu dir. Für viele lokale Suchanfragen ist es der erste – und manchmal einzige – Berührungspunkt.
Trotzdem ist die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Und genau diese ehrliche Antwort bekommst du selten, weil die meisten, die sie geben, dir entweder eine Webseite verkaufen wollen oder gar keine. Schauen wir uns an, was die Daten wirklich sagen.
Was dein Google-Profil wirklich kann
Das Profil ist stark in genau einer Sache: Es beantwortet die Frage „Wer ist in meiner Nähe, hat offen und ist gut bewertet?". Für einen Imbiss, einen Friseur oder einen Schlüsseldienst ist das oft schon der halbe Auftrag.
Was es nicht kann: deine Arbeit zeigen, Vertrauen für eine größere Entscheidung aufbauen, deine Leistungen im Detail erklären oder dich von Wettbewerbern abheben, die im selben Kartenausschnitt auftauchen. Das Profil ist ein Eintrag – kein Schaufenster.
Der Weckruf von 2024: Google hat die kostenlosen Webseiten abgeschaltet
Wer dachte, Google liefere die Webseite gleich mit, wurde 2024 eines Besseren belehrt. Am 9. Januar 2024 kündigte Google an, alle über das Unternehmensprofil erstellten Mini-Websites (die Adressen auf business.site) abzuschalten (Search Engine Land, 2024).
Der Ablauf war gestaffelt und unbarmherzig:
- 9. Januar 2024Google kündigt an, alle über das Unternehmensprofil erstellten Mini-Websites abzuschalten.
- März 2024Die Seiten gehen offline – Besucher werden nur noch auf das Google-Profil weitergeleitet.
- 10. Juni 2024Auch die Weiterleitung endet: Seitdem landen Besucher auf „404 – Seite nicht gefunden". Selbst eigene Domains, die nur auf die Google-Seite zeigten, führen ins Leere.
Branchenberichten zufolge waren weltweit rund 21,7 Millionen dieser Mini-Websites betroffen – eine offizielle Google-Zahl gibt es dazu nicht, sie sollte also als grobe Schätzung gelesen werden. Die Lektion bleibt aber dieselbe: Wer seine Online-Präsenz allein auf ein kostenloses Google-Werkzeug stützt, baut auf fremdem Grund. Was Google gibt, kann Google auch wieder nehmen.
Was die Zahlen für Deutschland sagen
Hier wird es konkret – und zwar mit deutschen Daten, nicht mit US-Statistiken:
Die mittlere Zahl zeigt: Eine eigene Seite ist im Handwerk längst der Normalfall, nicht die Kür. Die erste ist die unbequeme – zwei von fünf potenziellen Kunden sortieren dich aus, bevor sie überhaupt anrufen, nur weil keine Webseite da ist. Und die dritte entlarvt den häufigsten Irrtum: Selbst wer über eine persönliche Empfehlung kommt, googelt dich danach. Wer dann nichts vorzuweisen hat, verliert das gewonnene Vertrauen wieder.
Anders gesagt: Das Google-Profil bringt dich in die engere Auswahl. Die eigene Webseite entscheidet oft, ob du in der Auswahl bleibst.
Wann das Profil reicht – und wann nicht
Pauschal „jeder braucht eine Webseite" ist genauso falsch wie „das Profil reicht immer". Es hängt von deiner Leistung ab:
Profil genügt oft
- Spontan- und Notfall-Dienste (Schlüsseldienst, Lieferdienst)
- Niedrige Kaufschwelle, schnelle Entscheidung
- Standardisiertes Angebot
- Laufkundschaft, bei der der Standort entscheidet
Webseite klar im Vorteil
- Erklärungsbedürftige Leistungen (Sanierung, Beratung)
- Höherpreisige Aufträge mit Vertrauensvorlauf
- Individuelle Projekte, bei denen Referenzen zählen
- Kunden, die mehrere Anbieter gründlich vergleichen
Die Faustregel: Je höher der Auftragswert und je größer das nötige Vertrauen, desto weniger reicht ein Eintrag. Niemand beauftragt eine Dachsanierung für 30.000 € auf Basis von drei Sternen und einer Telefonnummer.
Die KI-Suche macht beides wichtiger – nicht überflüssig
Oft hören wir das Gegenargument: „Bald fragen doch eh alle ChatGPT, dann ist beides egal." Das Gegenteil ist der Fall.
In den USA nutzen bereits 45 % der Konsumenten KI-Tools wie ChatGPT für lokale Empfehlungen – ein Jahr zuvor waren es 6 % (BrightLocal, 2026). Für den deutschen Markt gibt es noch keine vergleichbare Erhebung, der Vorbehalt ist also wichtig – aber die Richtung ist eindeutig.
Und hier kommt der entscheidende Punkt: KI-Systeme empfehlen nur, was sie verstehen. Sie ziehen ihre Antworten aus deinem Profil und aus den Inhalten deiner Webseite. Eine Studie von Local Falcon (2025) zeigte sogar, dass in den neuen Google AI Overviews die reine Nähe zum Suchort kaum noch eine Rolle spielt – Inhalt und Kontext gewinnen an Gewicht. Wer nur einen Karten-Pin hat, aber keine Inhalte, gibt der KI schlicht zu wenig, um empfohlen zu werden.
Das Fazit: kein Entweder-oder
Die ehrliche Antwort auf „Reicht das Profil?" lautet für die meisten Betriebe: Das Profil ist die Pflicht, die Webseite die Kür, die den Unterschied macht. Beide arbeiten zusammen – das Profil bringt dich in die lokale Suche und in die KI-Antworten, die Webseite verwandelt das Interesse in einen Auftrag und baut das Vertrauen auf, das ein Eintrag nicht leisten kann.
Wenn du heute nur ein Profil hast und dich fragst, ob sich der nächste Schritt lohnt: Stell dir nicht die Frage „Brauche ich eine Webseite?", sondern „Verliere ich die 40 %, die ohne eine gar nicht erst anrufen?". Meistens beantwortet sich der Rest von selbst.
